Integrierte Motivation

Integrierte Motivation

Durch Integrative Beschäftigung importiert sich die Firma MSV einen zusätzlichen Motivationsschub.

Täglich mehrere hundert Pakete aufschneiden und Kartons zerkleinern. Diese Tätigkeiten gehören zu den Hauptaufgaben, die in der Firma MSV ausschließlich von Klienten der Lebenshilfe OÖ durchgeführt werden. Die sieben Klienten der Lebenshilfe OÖ, die im Logistikzentrum der Firma MSV arbeiten, bringen darüber hinaus durch ihren Frohmut Würze in das Team und in den Arbeitsalltag.

„Sie kommen morgens rein und bringen gleich einen Motivationsschub mit“, beschreibt Martin Sonntag den Start seiner Lebenshilfe-Mitarbeiter in den Arbeitsalltag. Erwartungsvoll fragen sie, wie viele Wagerl voller Pakete darauf warten, von ihren geübten Fingern aufgeschnitten und bearbeitet zu werden. Ist die Zahl sehr hoch, folgt ab und an auch ein besorgtes „das schaffen wir ja nie“. Dann wird aber beherzt angepackt und meist schafft man es doch. „Manchmal unterschätzen sie sich selbst“, schmunzelt Martin Sonntag stolz über seine fleißigen Mitarbeiter.

Von 66 auf 102

Sieben Klienten der Lebenshilfe OÖ arbeiten mittlerweile in Form der „Integrativen Beschäftigung“ bei der Firma MSV, die Dienstleistungen für den ausländischen Versandhandel anbietet. Die Auftragslage konnte kontinuierlich ausgebaut werden. Das erforderte auch eine Aufstockung der Mitarbeiter. „Uns war klar, dass ein Ausbau genauso mit Mitarbeitern der Lebenshilfe erfolgen muss“, erzählt Martin Sonntag, der den Wert langjähriger Mitarbeiter zu schätzen weiß. Gerald Koder arbeitet daher mittlerweile täglich bei MSV, auch Andreas Treiss und Jürgen Wahl erhöhten ihre Stunden und Fabian Rauch hat ganz neu gestartet. Zusammen mit den Kollegen Stefan Neuwirth, Ferdinand Pockstaller und Martin Irndorfer kommt das Team der Lebenshilfe somit auf insgesamt 102 Wochenstunden.

Neuland erkunden erfordert Kreativität

Die Kooperation der Lebenshilfe OÖ mit MSV startete bereits im Frühjahr 2013, damals als einer der ersten Partner bei der Integrativen Beschäftigung. Beim Betreten des Neulandes galt es einige Hürden zu überwinden. „Der Umgang mit dem Messer war anfangs eine Herausforderung. Oder der Fahrtendienst, der erst zu unserem Firmenstandort eingerichtet werden musste“, blickt Martin Sonntag zurück. „Man findet immer eine Lösung“, ist er überzeugt, und erzählt uns von einem geglückten Beispiel: „Es ist essentiell, dass der Lieferschein aus dem Paket geholt werden muss, bevor der Karton zerstört wird. Eine Lieferung ist ansonsten nicht mehr nachvollziehbar. Da nicht alle Mitarbeiter aus der Lebenshilfe lesen können, musste eine Alternative zur Aufschrift „Lieferschein“ zur Identifikation gefunden werden. Mittlerweile wissen alle, dass es sich beim gelben Zettel um den Lieferschein handelt und dass der Zettel mit dem Strichcode aussortiert werden kann.“

Die Klienten der Lebenshilfe waren es gewohnt, über die Weihnachtsfeiertage frei zu haben. Gerade im Versandhandel ist dies jedoch eine arbeitsintensive Zeit. Anfangs gab es deswegen Diskussionen. Bis Martin Sonntag an den Teamgeist appellierte: „Ihr könnt eure Kolleginnen doch nicht im Stich lassen“. Das leuchtete ein. „Über Weihnachten habe ich nur einen Tag frei. Da werde ich schließlich gebraucht. Dafür gehe ich im Sommer früher heim“, so Gerald Koder.

Kontakt als Werkzeug für Barrierefreiheit in den Köpfen

„Ich hatte bereits Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigung, da die Werkstätte Linz-Urfahr vor dem Start der Kooperation Kataloge für uns eingepackt hat“, berichtet Martin Sonntag. Bedenken wurden anfangs jedoch von den Mitarbeiterinnen geäußert, die mit den KlientInnen der Lebenshilfe zusammenarbeiten sollten. „Sobald sie den ersten Kontakt mit den neuen Kollegen geknüpft hatten, waren die Berührungsängste auch schon Schnee von gestern“, erzählt Martin Sonntag.

Mittlerweile zeichnet sich ein ganz anderes Bild: Da für die Weihnachtsfeier kein Fahrdienst für die Klienten der Lebenshilfe vorgesehen war, wurden sie kurzerhand von den Kolleginnen abgeholt und auch die Eltern der Klienten haben sich engagiert, um ein gemeinsames Feiern zu ermöglichen. „Wenn sie nicht da sind, gehen sie ab. Wir sind froh, dass wir sie haben“, schwärmt eine Mitarbeiterin über die Kollegen aus der Lebenshilfe.

Natürlich ist es notwendig, die Rahmenbedingungen für Integration zu schaffen. Dieses Angebot aber zu nutzen, liegt auch an den Klienten. „Sie machen das selbst sehr aktiv. In der Pause sitzen sie nicht in einer Ecke, sondern sind mittendrin, und dort wo sie sitzen, geht es immer am Lustigsten zu“, freut sich Martin Sonntag.

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„Ich bin Mädchen für alles“
Gerald Koder, Werkstätte Niederneukirchen

Gerald Koder ist stolz darauf, dass er sich mittlerweile in allen Aufgabenbereichen toll zurechtfindet und man es ihm sogar zutraut, die Kartonballen aus der Pressmaschine zu entfernen. Anfangs stellten Pünktlichkeit und Disziplin eine Herausforderung für ihn dar. Denn zur „richtigen Arbeit“, wie er die Arbeit bei MSV gerne bezeichnet, muss man natürlich pünktlich sein. Daher steht er an Arbeitstagen bereits um halb 6 Uhr auf, um gemütlich in den Tag starten zu können. Auch beim Rauchen bringt er jetzt mehr Disziplin auf. „Ich rauche nur noch in den Pausen“, so Gerald.

„Ich mache gerne Überstunden“
Andreas Treiss, Werkstätte Linz-Urfahr

Warum das? „Weil’s lustig ist“. Daher freut sich Andreas Treiss auch, dass er nun an drei Tagen pro Woche bei MSV arbeiten darf statt den bisherigen zwei Tagen. Es gibt auch manchmal stressige Zeiten, die er nicht so gerne mag. Sehr positiv streicht er dafür die Zusammenarbeit mit den Kollegen hervor: „Des passt gut mit den Kollegen. De daung ma olle voi“. Eine Motivation stellt für Jürgen auch der finanzielle Aspekt dar: „Für die Arbeit hier werde ich mit mehr Geld belohnt“, schwärmt Andreas.

„Ich bin immer flott“
Jürgen Wahl, Werkstätte Linz-Urfahr

So lautet Jürgen Wahls selbstbewusste Antwort, als man sein Arbeitstempo lobt. Dass er dabei manchmal Hilfe braucht, tut dem Selbstwert keinen Abbruch – schließlich braucht jeder einmal Hilfe und man darf sich durchaus trauen, danach zu fragen. „Die Kolleginnen helfen mir immer weiter“, freut sich Jürgen über die gute Zusammenarbeit mit seinen Kolleginnen.